248. Der UN-Kinderrechtsausschuss äusserte sich wiederholt besorgt darüber, dass in der Schweiz
geborene Kinder, die sonst staatenlos wären, kein Recht auf den Erwerb des Schweizer
Bürgerrechts haben.203 Auch zivilgesellschaftliche Akteure sprachen sich dafür aus, dass diese
Kinder bei der Geburt automatisch das Schweizer Bürgerrecht erwerben.204
249. Darüber hinaus stellte die Parlamentarische Versammlung des Europarates fest, dass die
gesetzlichen Bestimmungen von Norwegen, Rumänien, Zypern und der Schweiz Kinder nur
unzureichend oder gar nicht vor Staatenlosigkeit schützen. Sie rief alle Mitgliedstaaten des
Europarates dazu auf, die notwendigen gesetzgeberischen und praktischen Massnahmen zu
treffen, um Staatenlosigkeit zu beenden.205
5.1.3 Findelkinder und Adoption
INTERNATIONALE BESTIMMUNGEN UND IHRE AUSLEGUNG: FINDELKINDER
250. Das Übereinkommen von 1961 und das Europäische Übereinkommen von 1997 sehen vor,
dass Vertragsstaaten Findelkindern, die im Hoheitsgebiet aufgefunden werden, die Staatsangehörigkeit verleihen (Art. 2 Übereinkommen von 1961 und Art. 6 Abs. 1 lit. b Europäisches
Übereinkommen von 1997).
Art. 2 Convention sur la réduction des cas d'apatridie
„L’enfant trouvé sur le territoire d’un État contractant est, jusqu’à preuve du contraire, réputé né
sur ce territoire de parents possédant la nationalité de cet État.“
Art. 6 par. 1 lit. b Convention européenne sur la nationalité
„Chaque Etat Partie doit prévoir dans son droit interne l’acquisition de plein droit de sa nationalité
par les personnes suivantes: les nouveau-nés trouvés sur son territoire qui, autrement, seraient
apatrides.“
251. Ein Kind, das im Hoheitsgebiet eines Vertragsstaats geboren ist, ohne Eltern zu haben, die
gesetzlich als solche anerkannt sind, ist ebenfalls als Findelkind gemäss Art. 2 Übereinkommen
von 1961 zu behandeln. Das Findelkind sollte die Staatsangehörigkeit nur verlieren, wenn
nachgewiesen wird, dass es die Staatsangehörigkeit eines anderen Staates besitzt.206
252. Art. 6 Abs. 1 lit. b Europäisches Übereinkommen von 1997 bezieht sich im Gegensatz zum
Übereinkommen von 1961 nur auf neugeborene Kinder.207
114
203
Vgl. United Nations Committee on the Rights of the Child, Concluding observations on the combined second
to fourth periodic reports of Switzerland, CRC/C/CHE/CO/2–4, 26. Februar 2015, §§ 30–31, verfügbar unter:
https://bit.ly/2w9tscV; und United Nations General Assembly, Compilation on Switzerland: Report of the Office of the
United Nations High Commissioner for Human Rights, A/HRC/WG.6/28/CHE/2, 4. September 2017, § 65, verfügbar unter:
http://www.ohchr.org/EN/HRBodies/UPR/Pages/CHIndex.aspx.
204
United Nations General Assembly, Summary of Stakeholders’ submissions on Switzerland: Report of the Office of the
United Nations High Commissioner for Human Rights, A/HRC/WG.6/28/CHE/3, 30. August 2017, § 80, verfügbar unter:
https://bit.ly/2MRxUUR.
205
Vgl. Council of Europe Parliamentary Assembly, Resolution 2099 (2016): The need to eradicate statelessness of children, §§ 8
und 11, verfügbar unter: https://bit.ly/2bCIH5K.
206
Vgl. UNHCR, Guidelines No. 4, HCR/GS/12/04, 21. Dezember 2012, §§ 60 und 61.
207
Vgl. Council of Europe, European Treaty Series – No. 166: Explanatory Report to the European Convention on Nationality, § 48.
STAATENLOSIGKEIT IN DER SCHWEIZ
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