Die Lebensgeschichte von Ahmed
Name: Ahmed*
Alter: 15 Jahre
Geschlecht: Männlich
Herkunftsland: Syrien
Aufenthaltsdauer in der Schweiz: Seit Dezember 2015
Ursache von Staatenlosigkeit: Seit der Geburt staatenlos aufgrund von geschlechtsspezifischer und
ethnischer Diskriminierung
Aufenthaltsregelung in der Schweiz: Aufenthaltsbewilligung, vom SEM als staatenlos anerkannt
Ahmed wurde 2002 staatenlos in Syrien geboren. Sein Vater ist Kurde und gehört der staatenlosen
Gruppe der Ajanib an. Seine Mutter ist Syrerin, aber konnte die Staatsangehörigkeit nicht an ihre
Kinder weitergeben.** Ahmed ging in Syrien zur Schule, aber das Leben war schwierig: „Ajanib können
in Syrien nicht alles machen, was sie gerne möchten.“ Erst 2011 wurde für Ajanib die Möglichkeit der
Einbürgerung geschaffen. Mit dem Ausbruch des Bürgerkriegs hatte die Familie jedoch Angst, dass
der Vater für die syrische Armee rekrutiert werden würde, wenn er versucht hätte, sich und seine
Kinder einbürgern zu lassen.
Mitte 2014, als Ahmed zw��lf Jahre alt war, floh die Familie in die Türkei. Ahmeds kleiner Bruder
war krank und konnte in Syrien wegen des Bürgerkriegs nicht behandelt werden. Ahmed lebte etwa
anderthalb Jahre gemeinsam mit seiner Familie als Flüchtling in der Türkei. Für die Familie war das
Leben dort schwierig und Ahmed konnte während dieser Zeit nicht zur Schule gehen. Im Dezember
2015 beschloss die Familie daher, dass Ahmed die Flucht alleine fortsetzen sollte, während die Eltern
mit dem kranken Bruder trotz der Gefahren nach Syrien zurückkehren würden.
Als Ahmed im Dezember 2015 alleine in die Schweiz kam, stellte er zunächst ein Asylgesuch.
Dieses wurde abgelehnt, aber Ahmed erhielt eine vorläufige Aufnahme. Daraufhin stellte er ein
Gesuch um Anerkennung der Staatenlosigkeit. Auch dieses wurde vom SEM zunächst abgelehnt,
nach anhaltenden Bemühungen des Beistands und nochmaliger Überprüfung jedoch schliesslich
gutgeheissen. Fast zwei Jahre nach seiner Ankunft in der Schweiz erhielt Ahmed so eine
Aufenthaltsbewilligung.
Seit Anfang 2016 geht Ahmed wieder zur Schule und lernt Deutsch. Ihm machen fast alle
Schulfächer Spass und er nimmt an einem Jugendprojekt teil, in dessen Rahmen er bereits Einblicke
in verschiedene Lehrberufe erwarb. Eigentlich möchte Ahmed aber Psychologe werden und
ausländischen Jugendlichen helfen, die ohne ihre Eltern in der Schweiz sind: „Ich könnte ihnen gut
helfen, weil ich sie verstehe, weil ich weiss, wie viele Probleme sie haben.“
Ahmed wohnt in einem Zentrum für unbegleitete Kinder. Als Staatenloser eine
Aufenthaltsbewilligung zu erhalten, bedeutete Ahmed viel. Er kann nun seine Verwandten in
der ganzen Schweiz besuchen, was ihn sehr erleichtert. Er trainiert wieder und spielt in einem
Fussballclub. Ahmed bemüht sich im Moment, einen „Pass für eine ausländische Person“ zu erhalten,
mit dem er endlich reisen kann. Am Leben in der Schweiz gefällt ihm vor allem die Gemütlichkeit.
Für Ahmed ist das Leben aber weiterhin schwierig: „Ich fühle mich immer noch nicht ganz wohl in der
Schweiz, weil ich getrennt von meinen Eltern und Geschwistern bin. Ich träume oft von ihnen und
habe Angst, dass ihre Stadt bombardiert wird.“ Ahmeds grösster Wunsch ist es, dass seine Eltern und
Geschwister in die Schweiz kommen können.
*
Der Name wurde anonymisiert, um die Privatsphäre des Befragten zu schützen.
** Wie im Infokasten auf Seite 30 aufgeführt, können syrische Frauen die Staatsangehörigkeit nur an ihre Kinder
weitergeben, wenn diese in Syrien geboren wurden und die Vaterschaft nicht nachgewiesen ist.
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